
Die Behandlung des klimakterischen Syndroms und die Verbesserung einer östrogenmangelbedingten schlechten Lebensqualität sind die Hauptindikationen für eine HT. Die HT bleibt die wirksamste dazu zur Verfügung stehende Therapiemöglichkeit. Bei leichteren Beschwerden stehen Alternativen (pflanzliche Präparate, komplementärmedizinische Methoden) zur Verfügung.
Jede ET/HT braucht eine klare Indikation und eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken, welche zusammen mit der voll informierten Patientin erfolgen muss.
Als kurzdauernde Behandlung wird ein Zeitraum von 3 bis 5 Jahren angesehen. Eine ET/HT soll nicht länger fortgeführt werden, als eine Indikation gegeben ist. Eine Langzeittherapie ist gerechtfertigt bei Frauen, deren Symptome nur mit Östrogenen beherrscht werden können, bei symptomatischen Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko und zur Osteoporoseprävention, wenn keine Alternative in Frage kommt. Vor allem bei älteren Frauen kann die Östrogendosis auf peroral 0,3 mg CEE/Tag (oder 0,625 mg alle 2 Tage) bzw. 1 mg 17-beta-Östradiol/Tag oder transdermal 25 µg Östradiol/Tag gesenkt werden. Bei Tibolone scheinen 1,25 mg/Tag zu genügen.
Die Resultate von Womens´s Health Initiative ( WHI ) und Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS) dürfen nicht auf Frauen mit früher (4050 Jahre) oder vorzeitiger (<40 Jahre) Menopause sowie auf symptomatische peri- und frühpostmenopausale Frauen mit zeitgerechter Menopause übertragen werden.
Eine ET oder HT bessert urogenitale Beschwerden und trägt durch die Behandlung der Dyspareunie zur Erhaltung einer positiv gelebten Sexualität bei. Fehlt eine systemische Indikation, so sollen Östrogene lokal-vaginal verabreicht werden.
Die Wirkung einer Östrogentherapie auf die Libido ist umstritten, doch liegen Daten für den günstigen Effekt bei Gaben von Tibolone oder von Androgene vor.
Unter Hormontherapie bessern sich unspezifische peri- und postmenopausale Gelenk und Gliederschmerzen. Haut- und Schleimhäute sowie Bindegewebe sprechen günstig auf Östrogene an. Die Hautalterung kann verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden. Durch exzessive Sonnenexposition verursachte Hautschäden werden durch Östrogene nicht rückgängig gemacht.
Kognitive Funktionen können durch Östrogene verbessert werden. Im Gegensatz zur endogenen Depression kann eine postmenopausale depressive Verstimmung auf Östrogene günstig ansprechen. Die Wirkung bestimmter Antidepressiva wird durch Östrogene gesteigert.
Nach den Daten von WHI und HERS sind HT und ET zur kardiovaskulären Prävention kontraindiziert. Demgegenüber könnte nach qualitativ soliden Beobachtungsstudien eine HT bei Frauen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, die wegen eines klimakterischen Syndromes Östrogene erhalten, das Risiko längerfristig senken (Primärprävention). ET/HT sollten jedoch nicht zur kardiovaskulären Primäprävention eingesetzt werden, solange diese mögliche Indikation nicht durch neue Daten bestätigt ist.
ET und HT eignen sich zur Prävention der postmenopausalen Osteoporose und von osteoporotischen Frakturen. Bei jeder Frau muss zuerst die individuelle Nutzen-Risikobilanz ermittelt und allenfalls auf eine Alternative (z.B. Raloxifene, Bisphosphonate) gewechselt werden. Es ist immer die niedrigste therapeutisch wirksame Dosis zu wählen («Low-Dose-Prinzip»). Die Wirkung einer ET oder HT auf den Knochenstoffwechsel ist jedoch individuell verschieden.
Die Indikation für die zyklische oder kontinuierliche Gestagengabe ist die Endometrium-Protektion bei Frauen unter ET mit intaktem Uterus. Alternativ kann zur systemischen Gabe das Gestagen auch lokal intrauterin verabreicht werden. Bei einer lokal-vaginalen Östrogenbehandlung ist ausser bei Oestriol-Depot-Präparaten keine Gestagenbeigabe nötig.
Zur kardiovaskulären Primärprävention unmittelbar nach der Menopause fehlen bis heute prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien.
Randomisierte doppelblinde Studiensind allerdings in dieser Altersgruppe wegen der noch vorhandenen klimakterischen Beschwerden und der in der Verumgruppe zu erwartenden vaginalen Blutungen kaum durchführbar.